Kath. Kirche Finstersee

 

Kirche Finstersee Innenansicht

 

 

Kirche Finstersee Aussenansicht im Winter

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Kurze Geschichte der Kirche Finstersee

 

Die folgenden Ausführungen halten sich im Wesentlichen an einen Artikel, den der verstorbene Kaplan Franz Lüthi 1993 zum 125. Jahrestag der Weihe der Kirche von Finstersee geschrieben hat.

Schulhaus ruft nach Kaplan

Vor 1873, dem Jahr der neuen Kantonsverfassung, welche die Errichtung von Einwohner-, Bürger- und Kirchgemeinden vorschrieb, wurden öffentliche Anliegen von «Genossenschaften» wahrgenommen. So bestand auch in Finstersee eine solche, die aber nicht nur die Bewohner des Dörfchens umfasste, sondern auch die z.T. weit abgelegenen Höfe, deren Namen heute noch geläufig sind. Diese Genossenschaft begann 1854 mit dem Bau eines Schulhauses.

Wegen finanziellen Engpässen kam das Unternehmen nur langsam voran. So hatte man Zeit genug zum Nachdenken. Beim Nachsinnen, wer wohl im neuen Schulhaus den Unterricht übernehmen könnte, entstand der Gedanke, dafür einen Geistlichen zu suchen, der dann in Finstersee auch Gottesdienst halten könnte; eine Kapelle hatte man ja schon. Im Neupriester Karl Joseph Schlumpf aus Steinhausen wurde die gewünschte Person gefunden. Er wurde am 6. Juli 1862 gewählt. Grosse und viele Aufgaben warteten auf ihn: Schule und Gottesdienst halten und einen Kirchbau vorbereiten. Jahresgehalt: 1000 Franken. «Er traf alles in grösster Einfachheit an, nichts vollendet», berichtet der Chronist. Und die Kapelle genügte für die Gottesdienste an Sonntagen bei weitem nicht. So erlaubte der Bischof, die hl. Messe im Keller des Schulhauses feiern zu dürfen, aber unter der Bedingung, dass der Bau einer Kirche in Aussicht genommen werde. Die Mittel dazu solle der Kaplan auf auswärtigen Bettelreisen zusammenbringen. War das nicht zu viel verlangt? Erst recht von einem Neupriester? So fiel denn öfters die Schule aus, weil der Kaplan auswärts eine mühsame Haussammlung hielt.

Spannungen in der Baukommission

Am 8. November 1864 wählte die Genossenschaft eine Kirchenbaukommission mit folgender Besetzung: die Herren Pfarrer Röllin, Menzingen; Kaplan Schlumpf, Finstersee; Fidel Zürcher, Ziegelhütte; Johann Bapt. Elsener; Grossrat Zürcher; Alois Zürcher, Sparen; Karl Jos. Elsener, Boden. Fidel Zürcher musste das Präsidentenamt übernehmen. Von dieser Kommission erhielt Zimmermeister Elsener in Menzingen den Auftrag, einen Bauplan mit einer Kostenberechnung zu erstellen. Es wurde auch ein Bauplatz gefunden. Der bald eingereichte Bauplan befriedigte aber nicht recht, und es wurde beschlossen, ihn durch einen Architekten prüfen zu lassen; man solle auch die Kapelle Schönbrunn ausmessen. Ferner solle eine Hilfsgesellschaft ins Leben gerufen werden. Da der vorgelegte Plan wenig Aussicht hatte, ausgeführt zu werden, wandte man sich an den damals bekanntesten Kirchen-Architekten, Wilhelm Keller in Luzern. Keller erbaute mehrere Kirchen, hauptsächlich in den Kantonen Luzern, Aargau und Thurgau, die meisten in neugotischem Stil. Keller lieferte denn auch rasch das Gewünschte. Doch nun gerieten die Kommissionsmitglieder auseinander, vor allem entstand eine gegensätzliche Auffassung zwischen Grossrat Zürcher und Kaplan Schlumpf: Kaplan Schlumpf war für den Keller-Plan, Zürcher dagegen. Ein Gegensatz, der sich in der Folge noch weiter vertiefte. Nach langem Hin und Her siegte dann doch der Keller-Plan, der noch etwas vereinfacht wurde.

Die Kirche am Tag der Weihe

Die Hilfsgesellschaft übernahm eine finanzielle Garantie für den Rohbau, sofern die Gemeinde gratis das benötigte Holz lieferte. Er wurde noch im Jahr 1865 vollendet und 1866 ausgebaut. Der Chronist hält fest, dass die Baukommission vom Keller-Plan abgewichen war: Keller hatte nur einen Dachreiter vorgesehen, aber das Volk wollte einen massiven Turm, um später ein Vierer-Geläute zu bekommen. Unter vielen Schwierigkeiten wurde die Kirche vollendet und konnte am 27. Oktober 1868 durch Bischof Eugenius Lachat geweiht werden. Das Innere war aber alles andere als fertig: die Wände waren weiss getüncht und die gesamte Ausstattung fehlte. Einzig im Chor stand der Stipes des Hochalters, d.h. auf einem gemauerten Sockel war die Altarplatte befestigt. Provisorisch war er mit Stücken vom Altar im Schulhauskeller geschmückt. Die ganze übrige Ausstattung der Kirche fehlte. Aus dem Schulhaus hatte man die vorhandenen Bänke und Stühle geholt und eine sehr behelfsmässige Kanzel aufgestellt, Seitenaltäre, Beichtstühle, farbige Fenster fehlten, das Hochaltarfenster war mit Brettern zugenagelt. Trotzdem wurde die Kirche sofort gut besucht, an Sonn- und Feiertagen war sie voll besetzt. Sie entsprach also einem wirklichen Bedürfnis.

Der weitere Ausbau

Kaplan Schlumpf gab 1868 seine Stelle in Finstersee auf und übernahm eine kleinere Pfarrei. Man trug es ihm nach, dass er nicht bis zur Vollendung der Kirche ausgehalten hatte. Es ist aber sein unbestreitbares Verdienst, dass Finstersee nicht nur eine Kapelle, sondern eine recht geräumige Kirche erhalten hat.

Die Kirche wurde vollendet vor allem unter Kaplan Ackermann, der von 1879 bis 1905 auf dem Posten Finstersee ausharrte.

Zuerst kamen 1870 Kirchenbänke und noch im gleichen Jahr bestellt man bei Röttinger in Zürich das Chorfenster, das aber erst 1873 geliefert werden konnte. Kaplan Wirz in Menzingen war darum besorgt, er finanzierte auch die Seitenaltäre. Am 28. Juli konnte man auf der neuen Kanzel die erste Predigt halten. Die Kanzel stammte aus der Werkstatt Gebr. Müller in Waldkirch und kostete 700 Franken. 1881 lieferte Schreiner Elsener, Menzingen, die beiden Beichtstühle. 1884 brachte Maler Muggli, Baar, die jetzt wieder hergestellte Dekorationsmalerei an. Und endlich war am 17. August des gleichen Jahres die langersehnte Weihe von 3 Glocken, welche zum kleinen Glöcklien aus der alten Kapelle passten; sie erklangen zum ersten Mal am 30. August. Sie waren in der Glockengiesserei Keller Zürich/Unterstrass gegossen worden. Im folgenden Jahr kam auch die Turmuhr dazu. Sehr spät, 1905, erhielt die Kirche einen Taufstein, aus Gubelsandstein gefertigt. Im Jahr 1906 erhielten Turm und Schiff einen neuen Aussenverputz. Er war nicht wie der alte, der war glatt und hatte Fugen, die eine Mauer aus Hausteinen nachahmte. Das war so in der Neugotik üblich. Man kann einen Rest dieses Verputzes jetzt noch im Vorzeichen der Kirche sehen. Der neue Verputz wurde in einem Spritzverfahren angebracht und hat keine Fugen.

Zwei folgendschwere Entscheide

Im Laufe der Jahrzehnte wurde das Kircheninnere renovationsbedürftig. 1951/1952 wurde die Kirche deshalb gründlich überholt. Dabei fasste man zwei sehr folgenschwere Entscheide: man entfernte die Dekorationsmalerei von Muggli, ebenso die Aufbauten der Seitenaltäre und den Kanzeldeckel. Diese Stücke wurden nicht nur entfernt, sondern sogar verbrannt. In jener Zeit galt unter den Fachleuten alles Neugotische als wertlos. Wände und Decke bekamen einen einheitlichen weissen Anstrich.

1955 wurde eine elektrische Bankheizung eingebaut, im Chor 2 elektrische Strahler. In sämtlichen Kirchen, in die man zu jener Zeit solche Heizungen einbaute, machte man schlechte Erfahrungen damit. Die Wände und Decken waren nach 30, 40 Jahren so verschmutzt, dass teure Renovationen nötig wurden.

Bei einer Aussen-Renovation von 1984 beliess man an den Mauern des Schiffes den Verputz von 1906 aus Kostengründen. Architekt war Herr Hans Steiner/Brunnen SZ. Die Kirche wurde auch unter Denkmalschutz gestellt, was der Regierung Subventionen ermöglichte. Natürlich mussten die Anordnungen der Denkmalpflege befolgt werden. Aber Gemeinde und Kanton bezahlten das meiste.

Die Wiederherstellung der Dekorationsmalerei

Auch das Innere war infolge der Heizung bereits wieder reif für eine Renovation. Sie wurde im Sommer und Herbst 1988 durchgeführt; die Kirche konnte ab Weihnachten wieder benützt werden. Hauptanliegen war die Wiederherstellung der Dekorationsmalerei, die von der Firme Fontana, Rapperswil/Jona minuziös ausgeführt wurde. Im Chor wurde ein sog. Volksaltar aufgestellt, auf die Wiederbeschaffung des Kanzeldeckels und der Seitenaltaraufbauten musste verzichtet werden. Jetzt erhielt die Kirche aber auch eine bessere Heizung. Im vordersten Teil der Kirche, im Chor und in der Sakristei wurde eine elektrische Bodenheizung eingebaut, eine Fensterbankheizung kam dazu, und schliesslich eine Strahlheizung unter den Bänken. Die Gesamtleitung hatte wieder Architekt Steiner in Händen.

Im Winter 1992/93 schliesslich wurde im Chor durch Privatinitiative eine 4-Register-Orgel mit Pedal aufgestellt.

Die Kirche Finstersee präsentiert sich heute als ein Schmuckstück der Pfarrei, das wegen seiner Einfachheit und Schönheit zu Gebet und Stille einlädt.

Copyright © 2006 [Pfarrei Menzingen].
Stand: 13. May 2006