



| Kath. Pfarramt Menzingen | Telefon | 041 755 11 83 |
| Fax | 041 755 11 57 |
|
Die
folgenden Ausführungen halten sich im Wesentlichen an einen Artikel, den
der verstorbene Kaplan Franz Lüthi 1993 zum 125. Jahrestag der Weihe der
Kirche von Finstersee geschrieben hat. Schulhaus ruft
nach Kaplan Vor
1873, dem Jahr der neuen Kantonsverfassung, welche die Errichtung von
Einwohner-, Bürger- und Kirchgemeinden vorschrieb, wurden öffentliche
Anliegen von «Genossenschaften»
wahrgenommen. So bestand auch in Finstersee eine solche, die aber nicht
nur die Bewohner des Dörfchens umfasste, sondern auch die z.T. weit
abgelegenen Höfe, deren Namen heute noch geläufig sind. Diese
Genossenschaft begann 1854 mit dem Bau eines Schulhauses. Wegen
finanziellen Engpässen kam das Unternehmen nur langsam voran. So hatte
man Zeit genug zum Nachdenken. Beim Nachsinnen, wer wohl im neuen
Schulhaus den Unterricht übernehmen könnte, entstand der Gedanke, dafür
einen Geistlichen zu suchen, der dann in Finstersee auch Gottesdienst
halten könnte; eine Kapelle hatte man ja schon. Im Neupriester Karl
Joseph Schlumpf aus Steinhausen wurde die gewünschte Person gefunden. Er
wurde am 6. Juli 1862 gewählt. Grosse und viele Aufgaben warteten auf
ihn: Schule und Gottesdienst halten und einen Kirchbau vorbereiten.
Jahresgehalt: 1000 Franken. «Er
traf alles in grösster Einfachheit an, nichts vollendet», berichtet der Chronist. Und die Kapelle genügte für die Gottesdienste
an Sonntagen bei weitem nicht. So erlaubte der Bischof, die hl. Messe im
Keller des Schulhauses feiern zu dürfen, aber unter der Bedingung, dass
der Bau einer Kirche in Aussicht genommen werde. Die Mittel dazu solle der
Kaplan auf auswärtigen Bettelreisen zusammenbringen. War das nicht zu
viel verlangt? Erst recht von einem Neupriester? So fiel denn öfters die
Schule aus, weil der Kaplan auswärts eine mühsame Haussammlung hielt. Spannungen in der Baukommission Am
8. November 1864 wählte die Genossenschaft eine Kirchenbaukommission mit
folgender Besetzung: die Herren Pfarrer Röllin, Menzingen; Kaplan
Schlumpf, Finstersee; Fidel Zürcher, Ziegelhütte; Johann Bapt. Elsener;
Grossrat Zürcher; Alois Zürcher, Sparen; Karl Jos. Elsener, Boden. Fidel
Zürcher musste das Präsidentenamt übernehmen. Von dieser Kommission
erhielt Zimmermeister Elsener in Menzingen den Auftrag, einen Bauplan mit
einer Kostenberechnung zu erstellen. Es wurde auch ein Bauplatz gefunden.
Der bald eingereichte Bauplan befriedigte aber nicht recht, und es wurde
beschlossen, ihn durch einen Architekten prüfen zu lassen; man solle auch
die Kapelle Schönbrunn ausmessen. Ferner solle eine Hilfsgesellschaft ins
Leben gerufen werden. Da der vorgelegte Plan wenig Aussicht hatte, ausgeführt
zu werden, wandte man sich an den damals bekanntesten Kirchen-Architekten,
Wilhelm Keller in Luzern. Keller erbaute mehrere Kirchen, hauptsächlich
in den Kantonen Luzern, Aargau und Thurgau, die meisten in neugotischem
Stil. Keller lieferte denn auch rasch das Gewünschte. Doch nun gerieten
die Kommissionsmitglieder auseinander, vor allem entstand eine gegensätzliche
Auffassung zwischen Grossrat Zürcher und Kaplan Schlumpf: Kaplan Schlumpf
war für den Keller-Plan, Zürcher dagegen. Ein Gegensatz, der sich in der
Folge noch weiter vertiefte. Nach langem Hin und Her siegte dann doch der
Keller-Plan, der noch etwas vereinfacht wurde. Die Kirche am Tag der Weihe Die
Hilfsgesellschaft übernahm eine finanzielle Garantie für den Rohbau,
sofern die Gemeinde gratis das benötigte Holz lieferte. Er wurde noch im
Jahr 1865 vollendet und 1866 ausgebaut. Der Chronist hält fest, dass die
Baukommission vom Keller-Plan abgewichen war: Keller hatte nur einen
Dachreiter vorgesehen, aber das Volk wollte einen massiven Turm, um später
ein Vierer-Geläute zu bekommen. Unter vielen Schwierigkeiten wurde die
Kirche vollendet und konnte am 27. Oktober 1868 durch Bischof Eugenius
Lachat geweiht werden. Das Innere war aber alles andere als fertig: die Wände
waren weiss getüncht und die gesamte Ausstattung fehlte. Einzig im Chor
stand der Stipes des Hochalters, d.h. auf einem gemauerten Sockel war die
Altarplatte befestigt. Provisorisch war er mit Stücken vom Altar im
Schulhauskeller geschmückt. Die ganze übrige Ausstattung der Kirche
fehlte. Aus dem Schulhaus hatte man die vorhandenen Bänke und Stühle
geholt und eine sehr behelfsmässige Kanzel aufgestellt, Seitenaltäre,
Beichtstühle, farbige Fenster fehlten, das Hochaltarfenster war mit
Brettern zugenagelt. Trotzdem wurde die Kirche sofort gut besucht, an
Sonn- und Feiertagen war sie voll besetzt. Sie entsprach also einem
wirklichen Bedürfnis. Der weitere Ausbau Kaplan
Schlumpf gab 1868 seine Stelle in Finstersee auf und übernahm eine
kleinere Pfarrei. Man trug es ihm nach, dass er nicht bis zur Vollendung
der Kirche ausgehalten hatte. Es ist aber sein unbestreitbares Verdienst,
dass Finstersee nicht nur eine Kapelle, sondern eine recht geräumige
Kirche erhalten hat. Die
Kirche wurde vollendet vor allem unter Kaplan Ackermann, der von 1879 bis
1905 auf dem Posten Finstersee ausharrte. Zuerst
kamen 1870 Kirchenbänke und noch im gleichen Jahr bestellt man bei Röttinger
in Zürich das Chorfenster, das aber erst 1873 geliefert werden konnte.
Kaplan Wirz in Menzingen war darum besorgt, er finanzierte auch die
Seitenaltäre. Am 28. Juli konnte man auf der neuen Kanzel die erste
Predigt halten. Die Kanzel stammte aus der Werkstatt Gebr. Müller in
Waldkirch und kostete 700 Franken. 1881 lieferte Schreiner Elsener,
Menzingen, die beiden Beichtstühle. 1884 brachte Maler Muggli, Baar, die
jetzt wieder hergestellte Dekorationsmalerei an. Und endlich war am 17.
August des gleichen Jahres die langersehnte Weihe von 3 Glocken, welche
zum kleinen Glöcklien aus der alten Kapelle passten; sie erklangen zum
ersten Mal am 30. August. Sie waren in der Glockengiesserei Keller Zürich/Unterstrass
gegossen worden. Im folgenden Jahr kam auch die Turmuhr dazu. Sehr spät,
1905, erhielt die Kirche einen Taufstein, aus Gubelsandstein gefertigt. Im
Jahr 1906 erhielten Turm und Schiff einen neuen Aussenverputz. Er war
nicht wie der alte, der war glatt und hatte Fugen, die eine Mauer aus
Hausteinen nachahmte. Das war so in der Neugotik üblich. Man kann einen
Rest dieses Verputzes jetzt noch im Vorzeichen der Kirche sehen. Der neue
Verputz wurde in einem Spritzverfahren angebracht und hat keine Fugen. Zwei folgendschwere Entscheide Im
Laufe der Jahrzehnte wurde das Kircheninnere renovationsbedürftig.
1951/1952 wurde die Kirche deshalb gründlich überholt. Dabei fasste man
zwei sehr folgenschwere Entscheide: man entfernte die Dekorationsmalerei
von Muggli, ebenso die Aufbauten der Seitenaltäre und den Kanzeldeckel.
Diese Stücke wurden nicht nur entfernt, sondern sogar verbrannt. In jener
Zeit galt unter den Fachleuten alles Neugotische als wertlos. Wände und
Decke bekamen einen einheitlichen weissen Anstrich. 1955
wurde eine elektrische Bankheizung eingebaut, im Chor 2 elektrische
Strahler. In sämtlichen Kirchen, in die man zu jener Zeit solche
Heizungen einbaute, machte man schlechte Erfahrungen damit. Die Wände und
Decken waren nach 30, 40 Jahren so verschmutzt, dass teure Renovationen nötig
wurden. Bei
einer Aussen-Renovation von 1984 beliess man an den Mauern des Schiffes
den Verputz von 1906 aus Kostengründen. Architekt war Herr Hans
Steiner/Brunnen SZ. Die Kirche wurde auch unter Denkmalschutz gestellt,
was der Regierung Subventionen ermöglichte. Natürlich mussten die
Anordnungen der Denkmalpflege befolgt werden. Aber Gemeinde und Kanton
bezahlten das meiste. Die Wiederherstellung der Dekorationsmalerei Auch
das Innere war infolge der Heizung bereits wieder reif für eine
Renovation. Sie wurde im Sommer und Herbst 1988 durchgeführt; die Kirche
konnte ab Weihnachten wieder benützt werden. Hauptanliegen war die
Wiederherstellung der Dekorationsmalerei, die von der Firme Fontana,
Rapperswil/Jona minuziös ausgeführt wurde. Im Chor wurde ein sog.
Volksaltar aufgestellt, auf die Wiederbeschaffung des Kanzeldeckels und
der Seitenaltaraufbauten musste verzichtet werden. Jetzt erhielt die
Kirche aber auch eine bessere Heizung. Im vordersten Teil der Kirche, im
Chor und in der Sakristei wurde eine elektrische Bodenheizung eingebaut,
eine Fensterbankheizung kam dazu, und schliesslich eine Strahlheizung
unter den Bänken. Die Gesamtleitung hatte wieder Architekt Steiner in Händen. Im
Winter 1992/93 schliesslich wurde im Chor durch Privatinitiative eine
4-Register-Orgel mit Pedal aufgestellt. Die Kirche Finstersee präsentiert sich heute als ein Schmuckstück der Pfarrei, das wegen seiner Einfachheit und Schönheit zu Gebet und Stille einlädt. |