Freitag, 8. August 2003

    
Ausgabe 3 (von 4)

Liebe Leserin, lieber Leser

Erst wurde die alte Orgel abgebrochen. Inzwischen ist die neue bereits eingebaut. Und bald wird auch die Intonation der Pfeifen abgeschlossen sein. Danach steht die RIEGER-Orgel zu Übungszwecken den Organisten zur Verfügung. Die offizielle Abnahme durch die Kirchgemeinde erfolgt Mitte September, die Orgelweihe am 16. November


Rückblick auf die letzten drei Orgel-Anlässe
im Rahmen des Projektes «Orgel.03»

5. April: Pfarreibesuch bei RIEGER Orgelbau

Der vierte Anlass stand im Zeichen des Besuches beim Orgelbauer unserer neuen Orgel. Das Interesse war sehr erfreulich, gingen doch über 80 Anmeldungen ein.

   Die Firma RIEGER Orgelbau befindet sich im österreichischen Schwarzach und beschäftigt etwas über vierzig Angestellte. In zwei zeitverschobenen Rundgängen erhielten die Teilnehmenden interessante Einblicke in eine Welt, welche den meisten bisher nicht bekannt war. Hier gab es eine Menge zu bestaunen: Das technische Büro, die Pfeifenwerkstatt, Schlos-serei und Tischlerei, die Montagehalle, der Holzlagerplatz und der Intonationsraum. Aber auch die Tatsache, dass alle für die Herstellung einer Orgel benötigten Teile im hauseigenen Betrieb gefertigt werden. Orgelbau ist wahrlich Handwerk, Kunst und Faszination zugleich (siehe dazu mehr auf Seite 4).

   Der Ausflug nach Schwarzach wurde mit einem kleinen Konzert unseres Organisten Benno Auf der Maur in der dortigen Pfarrkirche sowie einem feinen Mittagessen im Gasthof «Engel» abgerundet.

   Der Besuch war für alle Beteiligten ein tolles Erlebnis mit vielen prägenden Eindrücken. Und manch einer/eine konnte nun erst recht verstehen, warum die Herstellung einer Orgel ein verhältnismässig teures Unterfangen ist.

Inhalt
Rückblick auf die letzten drei Orgel-Anlässe  1
«Nun soll das Werk die Meister loben!»        2
Chorprojekt (Orgelweihe)               3
Orgel-Anlässe August und September 2003           3
Orgelbau - Handwerk, Kunst und Faszination           4
 

6. Juni: Orgelkonzert auf  Empore der Hofkirche Luzern

Anfangs Juni stand ein Privatkonzert mit Stiftsorganist Wolfgang Sieber auf dem Programm. Gemäss dem Motto «Die grosse Hoforgel in der Luzerner Hofkirche - Klangzauber aus 6000 Pfeifen» waren interessierte Pfarreiangehörige zu einer Orgel-Performance eingeladen. Und sie kamen in Scharen nach Luzern: Rund 80 Orgelbegeisterte  aus dem Klosterdorf liessen sich vom Stiftsorganisten in die Geheimnisse der Hoforgel einweihen.

   Es war eine eindrückliche Demonstration. Gespickt mit interessanten Anekdoten aus der Zeit 1648 bis heute. Angereichert mit einem orgelmusikalischen Querschnitt aus den letzten drei Jahrhunderten von Klassik bis Populärmusik. Und geprägt von einem erzählfreudigen Organisten mit Tiefgang, der sich mit Herz, Leib & Seele „seiner“ Orgel verschrieben hat. Ein wahrlich besonderes Erlebnis für alle Teilnehmenden!

Juni bis August: Führungen «Orgel im Gespräch» 

Ab Mitte Mai wurde mit dem Einbau der neuen Orgel in der Pfarrkirche begonnen. Dies war für interessierte Pfarreiangehörige eine gute Gelegenheit, sich anlässlich von Führ-ungen über den Stand der neuen Orgel zu informieren. Der Bau-situation entsprechend wurden diese jeweils im Anschluss an den Gottesdienst kurzfristig angeboten.

 

   Zudem konnten Spontan-Besucher die Arbeiten beim Aufbau des mächtigen Orgel-Instrumentes auf der Empore stets mitverfolgen.

                                                                               Max Mahlstein

 


 

«Nun soll das Werk die Meister loben!»

Seit einiger Zeit prangt auf der Empore der Pfarrkirche Menzingen der farbenfrohe und majestätische Prospekt der neuen Orgel, die von der renommierten Firma RIEGER gebaut wurde. Dank dem kulturbewussten Kirchenvolk von Menzingen ist es möglich geworden, eine Orgel zu bauen, die der Würde und Bedeutung des Menzinger Gotteshauses voll entspricht.

   Der Unterzeichnete hatte mit der Orgelkommission ein Projekt ausgearbeitet, welches die Ansprüche an eine Orgel für die Pfarrkirche voll zu erfüllen versprach. Es ging darum, eine Orgel zu planen, welche sich nicht nur zur Führung des Volksgesanges und zur Begleitung von Chor, Orchester und Solisten bestens eignet, sondern auch ein Instrument zu konzipieren, welches eine sinngemässe und klangschöne Wiedergabe von Orgelmusik aller Stilbereiche ermöglicht. Insbesondere kommen auch die Errungenschaften des französischen Orgelbaus der Romantik gebührend zu Ehren. Mit der ausgezeichneten Akustik und den mit der Umgestaltung der Empore erreichten idealen Platzverhältnissen waren die optimalen Voraussetzungen gegeben.

Konzeption der neuen Orgel

   Die neue Orgel hat 40 Register (Pfeifenreihen mit gleichem Klangcharakter), welche mit insgesamt 2'759 Pfeifen auf drei Manuale (Klaviaturen) mit je 58 Tasten für das Spiel mit den Händen und auf die Pedalklaviatur mit 30 Tasten für das Spiel mit den Füssen verteilt sind.

   Auf dem ersten Manual wird die «Grand Orgue», d.h. das Hauptwerk gespielt, das neben Begleit- und Solostimmen die stärksten und vollsten Register enthält. Das zweite Manual ist als Positiv konzipiert und heller im Klang als das Hauptwerk. Es enthält neben Plenoregistern - Pleno bedeutet Registrierung eines strahlend vollen Orgelklanges - ebenfalls eine Anzahl Solo- und Begleitstimmen. Das dritte Manual ist ein sogenanntes Schwellwerk, franz. Récit expressif, d.h. der Klang kann mittels Jalousien, welche vom Spieltisch aus geöffnet oder geschlossen werden, in der Lautstärke nuanciert werden. Es enthält neben den Flöten und Streicherstimmen Soloregister wie Trompette harmonique, Hautbois und Cornet harmonique sowie ein helles Clairon harmonique, ein schlankes Basson und eine streichende Schwebestimme. Ein gut besetztes und schwellbares Recit ist vor allem für die Wiedergabe der Werke französischer Romantiker, wie Franck, Widor, Guilmant, Vierne und Dupré absolut unerlässlich. Daneben eignet es sich für Begleitaufgaben hervorragend.

   Das Pedal endlich liefert im vollen Werk des Basses Grundgewalt und im Piano das weiche Fundament. Als Besonderheit darf wohl das tiefste, mächtige 32-Fuss Register aus Holz gelten, dessen grösste Pfeifen zu beiden Seiten der Orgel direkt in den Raum sprechen und den Emporenbesucher mit ihrer mächtigen Erscheinung beeindrucken. Ein elektrisches Schleudergebläse

 

erzeugt den Wind, welcher in zwei Magazinbälgen auf Vorrat gehalten und durch Kanäle in die Windladen geleitet wird, welche als traditionelle Schleifladen gebaut sind. Die Verbindung von den Tasten zu den Ventilen und von den Registerzügen zu den Registerschleifen geschieht rein mechanisch, was eine hohe Präzision, eine lange Lebensdauer und einen unvergleichlichen Kontakt von Spieler und Instrument ergibt.

Registrierungen 

   Auf dem modernsten Stand ist das Vorwahlsystem für die Registrierungen (Klangzusammenstellungen verschiedener Register). Zusätzlich zur rein mechanischen Registratur wurde ein elektronisches Memorysystem eingebaut. Mittels einer persönlichen kleinen Magnetkarte im Kreditkartenformat können sich bis zu 16 verschiedene Spieler initialisieren und haben dann je bis zu 3'000 Speicherplätze für frei wählbare Klangkombinationen zur Verfügung. Dies ermöglicht den Organisten, ein grosses Programm im Voraus zu registrieren, so dass sie sich im Gottesdienst und im Konzert ganz dem Spiel hingeben können.

Ein Meisterwerk ist entstanden

   Beim Aufbau des mächtigen Instrumentes während dem Monat Mai konnten die Kirchenbesucher jeweils sonntags nach der Messe oder auch unter der Woche die Arbeiten verfolgen. Es gab so vieles zu bestaunen und zu bewundern: Die klar gegliederten Anlagen der rein mechanischen Spiel- und Registertrakturen, die edlen Materialien, das wunderschön marmorierte Gehäuse, der elegante Spieltisch und vieles mehr. Von Juni bis Mitte August hat der Intonateur jede einzelne Pfeife klanglich auf den Raum abgestimmt - bei 2'759 Pfeifen eine erhebliche, zeitaufwändige Arbeit, welche dem Ausführenden eine hohe Fachkompetenz und grösste Konzentration abverlangt. Bei allen Arbeiten - von der Planung bis zur Intonation der letzten Pfeife - war von allen Ausführenden der Orgelbaufirma RIEGER ihre reiche Erfahrung und grosse Liebe zum Orgelbau spürbar. Bezüglich Architektur, Technik und Klang ist so ein Meisterwerk entstanden: Nun soll das Werk die Meister loben!

   Möge die neue, unvergleichliche Orgel von Menzingen die Herzen der Kirchenbesucher zu Gott erheben!

Hermann Hesse bringt es so zum Ausdruck:
«Manchmal aber bleibt ein Mensch beim Dome lauschend stehen, öffnet sacht die Pforte, horcht entrückt dem fernen Silberstrome der Musik, vernimmt aus Geistermunde heiter-ernster Väterweisheit Worte, geht davon mit klangberührtem Herzen, sucht den Freund auf, gibt ihm flüsternd Kunde vom Erlebnis der entrückten Stunde dort im Dom beim Duft erloschner Kerzen. Und so fliesst im unteririsch Dunkeln ewig fort der heilige Strom, es funkeln aus der Tiefe manchmal seine Töne. Wer sie hört spürt ein Geheimnis walten, sieht es fliehen, wünscht es festzuhalten, brennt vor Heimweh. Denn er ahnt das Schöne».

                                                       Felix Gubser, Kirchenmusiker Orgelexperte, Mitglied Orgelbaukommission

Die Orgelweihe musikalisch mitgestalten

In regelmässigen Abständen verwirklicht der Kirchenchor Menzingen ein grösseres Chorprojekt. Nach dem Requiem von Rheinberger, dem 5. und 6. Teil des Weihnachtsoratoriums von J.S. Bach und dem Gloria von Vivaldi, ist diesmal die romantische Messe op. 36 von Charles-Marie Widor (1844-1937) vorgesehen.

    Aufgeführt wird sie anlässlich der Orgelweihe am 16. November 2003. Damit Kraft und Schönheit der Messe

zum Tragen kommen, braucht es viele Sängerinnen und Sänger. Interessierte sind deshalb herzlich eingeladen, bei diesem besonderen Chorwerk mitzusingen. Die Proben finden jeweils am Mittwoch statt, die erste am 20. August 2003, 20.00 Uhr. Ort ist das Singzimmer des Schulhauses „Dorf“. Keine Anmeldung und Notenkenntnisse erforderlich.

   Für die Beantwortung von Fragen steht Ihnen der musikalische Leiter Benno Auf der Maur (Tel. 755 33 37) gerne zur Verfügung.

 


ausgefüllten Talon bis spätestens Mittwoch, 27. August 2003 im kath. Pfarramt abgeben, oder per E-Mail
pfarramt@kg-menzingen.ch

Orgelbau - Handwerk, Kunst und Faszination  

Seit Mitte Mai 2003 arbeiten Facharbeiter in unserer Pfarrkirche, deren Berufsausübung wir bisher kaum gekannt haben. Es ist der Beruf eines ORGELBAUERS mit all seinen Facetten. Dabei handelt es sich um eine sehr abwechslungsreiche Tätigkeit, die sowohl handwerkliches Geschick, Gefühl für Ästhetik als auch klangliches Vorstellungsvermögen erfordert.

   Jede Orgel ist ein Einzelstück. Die Orgelbauer entwerfen, planen und zeichnen das Instrument. Danach bauen sie in der Werkstatt die Orgel: Sie bearbeiten Holz, verarbeiten Leder und Filze und fertigen verschiedenste Metallteile an. Mit äusserster Präzision erstellen sie die sensible Mechanik. Die Pfeifen werden durch Pfeifenmacher/innen gefertigt, doch müssen Orgelbauer Grundkenntnisse im Pfeifenbau, deren Klanggebung und Stimmung haben, um den Spezialisten exakte Angaben liefern zu können.

   Der Zusammenbau der verschiedenen Elemente in der Werkstatt und am zukünftigen Standort ist sehr anspruchsvoll. Diese Arbeit ist manchmal körperlich anstrengend, da die Pfeifen sich oft in den unmöglichsten Positionen befinden und somit auch viel athletisches

 

Geschick verlangt wird. Sie müssen mal stehend, mal vorübergebeugt, hin und wieder sogar liegend arbeiten können. Bei der Intonation der Orgel prüft der Orgelbauer am Spieltisch den Charakter der einzelnen Pfeifen und gibt Anweisungen, wie die Töne verändert werden müssen. Für diese Aufgabe ist ein ausgeprägtes, geschultes Gehör Grundbedingung.

Information vor Ort

   Verschiedene Bilder auf der Homepage unserer Kirchgemeinde www.kg-menzingen.ch - aufgenommen von Herrn Castor Huser - zeigen den Aufbau der Orgel in der Pfarrkirche. Sie führen eindrücklich vor Augen, welch qualifizierte Handwerkskunst bei diesem grossen Werk notwendig ist.

   Viele Besucherinnen und Besucher benützten in den vergangenen Wochen die Gelegenheit, den Orgelbauern auf der Empore "über die Schultern" zu schauen und haben dabei, neben deren Arbeit, sie alle auch als sehr sympathische Personen kennen gelernt. Wir danken den bei uns tätigen Orgelbauern für ihr Engagement recht herzlich.

                   Kirchenrat Menzingen
 

 

 

 

 

 

Impressum

Herausgeber          Arbeitsgruppe „Orgel.03“
Redaktion              Max Mahlstein, Benno Auf der Maur, Castor Huser
Druck                    Multicolor Print AG, Baar
Redaktionsadresse Max Mahlstein, Gutschstrasse 52, 6313 Menzingen
                            email
orgel.news@kg-menzingen.ch

Copyright © 2003 [Kirchgemeinde Menzingen].

Stand: 15. August 2003