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14.05.2020, 10.45

Hoffnungswort zum 7. Sonntag der Osterzeit

«Mein Leitstern ist das Evangelium»                      

Die Kirche gedenkt am 19. Mai der ersten Heiligen Frau der Schweiz: Maria Bernarda Bütler. Vielleicht ist sie Ihnen nicht bekannt. Mich verbindet mit dieser Heiligen, dass ich ein paar Jahre in ihrem Geburtsort leben und wirken durfte. Gerne stelle ich Ihnen die Hl. Maria Bernarda kurz vor:

Unweit der Zuger Grenze in Auw im Freiamt AG ist Maria Bernarda am 28. Mai 1848 als Verena Bütler zur Welt gekommen und mit sieben Geschwistern aufgewachsen. Schon früh verspürte sie den Wunsch, ihr Leben Gott zu weihen. Sie trat ins Kloster Hl. Kreuz in Menzingen ein, doch das Heimweh plagte sie so sehr, dass sie wieder heimkehrte. Auf Anraten des Pfarrers von Auw trat sie am 12. November 1867 ins Kloster Maria Hilf Altstätten SG ein.  Mit dem Ablegen der Gelübde erhielt sie ihren Ordensnamen «Maria Bernarda». Sie war beliebt und wurde sehr geschätzt. Ihre Mitschwestern wählten sie 1880 zur Oberin.

1887 kam sie in Kontakt mit dem Franziskaner Orden in Amerika. Die Bitte um Schwestern, welche sich in Amerika engagieren, erreichte das Kloster Maria Hilf. Nachdem sie das Oberinnenamt abgegeben hatte, brach Maria Bernarda am 19. Juni 1888 mit sechs Mitschwestern nach Ecuador auf. Dort gründete sie die Kongregation der «Franziskaner Missionsschwestern von Maria Hilf». Ihr Arbeitsfeld war Chone, ein Ort von etwa 13.000 Einwohnern. Die Schwestern setzten sich vor allem für die Bildung, Familienarbeit und Katechese ein. Die Kongregation wuchs und schon bald entstanden weitere Schwesternniederlassungen in Ecuador.

1895 brach eine gewaltsame Verfolgung aus und die Schwestern mussten Ecuador verlassen. Sie flohen nach Kolumbien. Am 2. August 1895 bezogen die Schwestern einen Flügel des Frauenspitals in Cartagena. Im franziskanischen Geist wirkten Maria Bernarda und ihre Mitschwestern unter den Armen, um ihre Nöte an Leib und Seele zu lindern. Bald wurden in Brasilien, Österreich und der Schweiz Niederlassungen gegründet. Den Schwestern pflegte sie stets zu raten: «Öffnet eure Häuser, um den Armen, Kranken und Ausgestossenen zu helfen».

Als sie am 19. Mai 1924 starb, war sie 76 Jahre alt. In Windeseile verbreitete sich die Nachricht von ihrem Tod. In der Kathedrale von Cartagena sagte der Pfarrer: «Heute früh ist in unserer Stadt eine Heilige gestorben, die ehrwürdige Mutter Bernarda».  Ihr Grab wurde schnell zu einem Wallfahrtsort und einer Stätte des Gebetes. Die Liebe und der Missionsgeist von Mutter Maria Bernarda, wie sie in Südamerika genannt wurde, leben fort in ihrer Kongregation, die sich über 10 Länder und in drei Kontinenten verbreitet hat. Am 29. Oktober 1995 wurde Maria Bernarda Bütler selig- und am 12. Oktober 2008 in Rom heiliggesprochen. Maria Bernarda lebte und handelte ganz nach dem Evangelium, deshalb bekannte sie auch: «MEIN LEITSTERN IST DAS EVANGELIUM»

Maria Bernarda war eine fleissige Schreiberin: über 2000 Briefe, 37 Tagebücher. Hier ein paar Zitate von ihr:

«Ein weites Herz müsst ihr haben!»

«Klammere dich fest an den Anker der Hoffnung. Lege dich zaglos in Gottes Arme.»

«In der Schule lernte ich, was ich musste, um nicht ganz dumm zu bleiben. Ich rechnete nicht gern und schrieb schlecht. Das einzige, was ich willkommen hiess, waren Beschreibungen aus dem Reich der Natur.»

Vielleicht möchten Sie diese heilige Frau noch etwas näher kennenlernen? Das Geburtshaus in Auw steht noch, in der Kirche St. Nikolaus Auw findet sich der Taufstein, eine Nische mit der Reliquie der Heiligen. Besonders einladend ist der rund 1 km lange Besinnungsweg mit bewegten und bewegenden Symboliken, die zur Besinnung anregen. So wird am Ende des Weges klar:

Maria Bernarda bleibt bis heute eine besondere Frau, die Zeugnis für das Evangelium ablegte. Sie lehrt uns, wie das Evangelium zu unserem Leitstern wird, wie wir Gebet und Arbeit, Leben im Dienst an Gott und Dienst am Nächsten miteinander verbinden können und so zu «Leitsternen» füreinander werden. Darauf dürfen wir uns gerade auch in schwierigen Zeiten besinnen.

Margrit Küng, Gemeindeleiterin Unterägeri und Allenwinden

Hoffnungswort für Christi Himmelfahrt

Jesus schenkt uns die Kraft, Tag für Tag unsere äusseren und inneren Wege zu gehen.

Kurz vor seiner Heimkehr zum Vater schickt Jesus seine Jüngerinnen und Jünger auf den Weg. Sie sollen dafür sorgen, dass alle Menschen von Gottes froher Botschaft erfahren. Die so Gesendeten können fortan nicht mehr hinter dem Menschen Jesus hergehen. Sie haben den Auftrag, selber voranzugehen. «Ich bin mit euch alle Tage bis zum Ende der Welt». Mit diesem Versprechen sendet Jesus sie aus, an seiner Stelle und für ihn zu gehen.

Der Auffahrtstag ist für viele in unserem Kanton verbunden mit Gehen, mit der Landeswallfahrt nach Einsiedeln. Seit Jahren lege ich diesen Weg am liebsten als Pilgerwanderung zurück. Wenn ich langsam gehe, habe ich mehr vom Weg. Dann geniesse ich dankbar das fröhliche Trällern des Buchfinks, den Duft frisch gemähter Wiesen, den ersten wärmenden Sonnenstrahl und das mächtige Glockengeläut der Klosterkirche, das die Gebete der Pilgernden zum Himmel trägt.

Unser Leben wird oft verglichen mit einer Pilgerwanderung. Manchmal erlaubt unser Lebensweg, leichten Schrittes und bei schöner Aussicht voranzugehen. Manchmal sind Lebensabschnitte auch schwer begehbar, anstrengend oder gefährlich. Und wenn das Gehen keine Freude mehr macht? Wenn das Atmen schwerer fällt, Gelenke schmerzen, die Kraft nachlässt, der Weg sich verliert? Vielleicht fragen wir uns dann, wofür wir überhaupt gehen. Kann es sein, dass wir dann einen inneren Weg gehen sollen, weil wir wie die Jüngerinnen und Jünger einen Auftrag, eine Sendung haben?

Für wen und wie auch immer wir unterwegs sind – Jesus geht mit uns bis zum letzten unserer Tage und bis ans Ende der Welt. Er schenkt uns die Kraft, Tag für Tag unsere äusseren und inneren Wege zu gehen.

Eva Maria Müller, Pfarreiseelsorgerin in Neuheim und Menzingen

 

Segensgebet für Deinen Weg

Gott segne deinen Weg
die sicheren und die tastenden Schritte
die einsamen und die begleiteten
die großen und die kleinen

Gott segne dich auf deinem Weg
mit Atem über die nächste Biegung hinaus
mit unermüdlicher Hoffnung
die vom Ziel singt, das sie nicht sieht
mit dem Mut, stehenzubleiben
und der Kraft, weiterzugehen

Geh im Segen
und gesegnet bist du Segen
wirst du Segen
bist ein Segen
wohin dich der Weg auch führt.

Katja Süss

Hoffnungswort zum 6. Sonntag der Osterzeit

Von Perle zu Perle

Im Marienmonat Mai wird an vielen Orten regelmässig der Rosenkranz gebetet. Zehn Mal das «Gegrüsst seist du, Maria» mit dem Einschub – dem «Gsätzli» – und das «Vater unser» bei den grösseren Perlen. Dieses Mariengebet ist ein «Zusammenschnitt» der Begrüssungen bei den Begegnungen Marias mit dem Engel und Elisabeth, ergänzt mit der Bitte um die Fürbitte Mariens für uns.

Gegrüsst seist du, Maria, voll der Gnade,
der Herr ist mit dir.
Du bist gebenedeit unter den Frauen,
und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes, Jesus. (Einschub des «Gsätzlis»)
Heilige Maria, Mutter Gottes,
bitte für uns Sünder
jetzt und in der Stunde unseres Todes.
Amen

Meinen ersten Rosenkranz bekam ich von meiner Grossmutter zur Erstkommunion geschenkt. Er war natürlich schön weiss, sodass er zum Kleid und dem weissen Einband des Kirchengesangbuchs passte. Zu diesem Geschenk gehörte auch eine Wallfahrt mit den Grosseltern nach Einsiedeln, wo ich meine erste theologische Diskussion führte. Ziemlich empört wollte ich von meiner Grossmutter wissen, weshalb wir im Gottesdienst im Marienlied «oh hilf uns streiten zu allen Zeiten» gesungen hatten – Streiten sei doch nicht gut. An ihre Antwort erinnere ich mich nicht. Das Rosenkranzgebet habe ich erst viel später schätzen gelernt. Und tatsächlich hat mir das Gebet auch schon geholfen, nicht zu streiten, sehr wohl aber durch- und standzuhalten.

Abstand bekommen, Luft holen, den Kopf lüften, darüber schlafen; Das sind Strategien, um bei einem Konflikt «den Rank zu finden». Den Rosenkranz zu beten ist für mich eine weitere Möglichkeit. Im meditativen Beten des «Gegrüsst seist du, Maria» kann ich mich wie in einer Hängematte wiegen lassen. Mit dem «Gsätzli» – dem eigentlich wichtigeren Teil des Rosenkranzgebetes – werden uns Szenen aus dem Leben von Jesu in Erinnerung gerufen. Wenn ich für mich alleine bete, erlaube ich mir, damit kreativ umzugehen. So bete ich auch gern einmal: «… und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes, Jesus, der mit den Pharisäern gestritten hat.» Dabei schwingt dann die Frage mit: «Jesus, wie soll ich entscheiden, was soll ich sagen?» Und einmal landete einer meiner Rosenkränze – ich habe inzwischen eine Sammlung von ganz kleinen bis ganz grossen – im Auto. Im Stau dachte ich mir dann:  «Na gut, dann bete ich den Rosenkranz … Jesus, der Geduld mit seinen Jüngern brauchte.» Ich habe diesen Stau mit erstaunlicher innerer Ruhe überstanden.

Schade, dass wir dieses Jahr nicht gemeinsam nach Einsiedeln pilgern können. Aber eventuell nehmen Sie einmal den Rosenkranz in die Hand und beten ihn. Ich wünsche Ihnen viele gute Ideen, um ihn in Ihr ureigenes Gebet zu verwandeln.

Jacqueline Bruggisser, Pfarreiseelsorgerin Oberägeri

 

Hoffnungswort zum Muttertag

 Dankbarkeit ist eine Haltung

Viele erwachsene Söhne und Töchter besuchen am Muttertag ihre Mutter. Damit drücken sie ihre Dankbarkeit und Wertschätzung für alles aus, was sie ihnen seit der Geburt an Liebe, Unterstützung und Förderung gegeben hat.

In diesem Jahr werden viele ältere Mütter vergeblich auf den Besuch ihrer Kinder warten. Zumindest wird das gemeinsame Mittagessen ausfallen. Der kleine Ausflug sowieso. Denn nach wie vor sind die Menschen zur Vorsicht bei sozialen Kontakten aufgerufen. Bei älteren Menschen soll der direkte Kontakt wenn möglich ganz vermieden werden.

Ob meine Mutter das gemeinsame Mittagessen am Muttertag vermissen wird, weiss ich nicht. Zumal sie mehr und mehr in ihrer eigenen Welt lebt. Und zu dieser Welt habe ich keinen Zugang. Nur bei den fast täglichen Anrufen können meine Schwester und ich sie für ein paar Augenblicke ins Jetzt hineinholen, indem wir von unserem und dem Leben unserer Kinder erzählen.

Noch vor wenigen Monaten bekamen wir mit, was unsere Mutter beschäftigte: Vor allem die Vergangenheit. Gerne erzählte sie von früheren Erlebnissen mit den Grosskindern und schönen Ehejahren. Oft erzählte sie aber auch vom Schweren, das ihr im Leben widerfahren war: Vom frühen Tod ihrer leiblichen Mutter. Vom Getrenntsein von ihren Schwestern, bis der Grossvater wieder heiratete. Von durchlebten Ängsten bei Fliegeralarmen während dem 2. Weltkrieg, wenn sie als siebenjähriges Mädchen alleine unterwegs war.

Demenz ist eine Krankheit des schrittweisen Abschiednehmens. Zum Abschiednehmen gehören neben Trauer, Wut und Enttäuschung hoffentlich auch Friedenschliessen mit dem Vergangenen und Dankbarkeit für so manches Gewesene. Abschiednehmen müssen aber nicht nur die Erkrankten, sondern auch ihre Angehörigen. Sie müssen sich von Vorstellungen und alten Rollenbildern verabschieden. Und deshalb gehören Trauer und Dankbarkeit auch zu ihrer Situation.

Am Muttertag ist es vielen Töchtern und Söhnen ein Bedürfnis, ihrer Mutter für das Gewesene zu danken. In diesem Jahr ist das nicht in der gewohnten Form möglich. Doch Dankbarkeit zeigt sich nicht nur beim gemeinsamen Mittagessen am zweiten Maisonntag. Dankbarkeit macht sich nicht an einem zeitlich begrenzten Moment fest. Dankbarkeit ist eine Haltung. Und diese Haltung zeigt sich nicht zuletzt in der Art, wie Kinder ihre neue Rolle gegenüber den auf Unterstützung angewiesenen Eltern annehmen.

Alles Gute zum Muttertag.

Christof Arnold, Gemeindeleiter von Menzingen und Neuheim

Hoffnungswort zum 4. Sonntag der Osterzeit

«Ich bin die Tür zu den Schafen –  Ich bin gekommen damit sie Leben haben und es in Fülle haben»  (Joh 10,1-10)

Ich bin gekommen, damit sie Leben haben und es in Fülle haben“, so heisst der Schlusssatz des heutigen Evangeliums. Dieser Satz trifft die Sehnsucht der Menschen, denn wer von uns wollte das nicht, «Leben in Fülle haben»? Doch wie soll dies gehen in einer Welt, die uns oft feindlich gesinnt scheint, die harte Bedingungen stellt. Gerade in den letzten Wochen und Monaten, da unser Leben durch ein Virus in Frage gestellt und bedroht wird, wächst die Sehnsucht nach Leben, nach einem guten Leben erst recht. Jesus bietet uns in dieser Bibelstelle dafür drei Möglichkeiten, drei Bilder, wie wir erfüllt leben können.

Das Bild der Tür

Eine Tür öffnet und verschliesst. Sie öffnet sich für Möglichkeiten und Gefahren, wenn wir hinausgehen. Sie bietet Schutz, Sicherheit und Geborgenheit, wenn wir sie von innen schliessen. Ein Türrahmen ist ein relativ stabiler Ort, zum Beispiel bei einem Erdbeben. Türen gehören zu unserem Leben. Wir können nicht so leben, als müssten wir uns nicht entscheiden, als gäbe es kein drinnen und draussen, als gäbe es keine Türen, die sich uns öffnen oder verschliessen. Jesus sieht sich und seine Botschaft als Tür zum Leben. Wo ich unter seinem Türrahmen hindurchgehe, finde ich Freiheit und Weide, also Nahrung für meine Seele.  Jesus als Tür kann ich nutzen in beide Richtungen. Er ermöglicht mir Freiheit und gibt mir Schutz. Er begleitet mein Wagnis und schenkt mir Geborgenheit.

Schafe und Hirte

Schaf und Hirte war den Menschen zurzeit Jesu ein vertrautes Bild. Wir müssen es uns heute neu erschliessen. Für ein Leben in Fülle, muss ich mit beidem rechnen: Schaf und Hirte. Beide brauchen sich gegenseitig, um ein gutes Leben zu haben. Schafe wissen, wohin sie gehören, sie kennen den Hirten, die Hirtin. Schafe sind Herdentiere und gehören deshalb zusammen. Von ihnen können wir lernen: zu wissen, was ich brauche, wohin ich gehöre, mit anderen unterwegs zu sein, aufeinander zu achten. Ist es nicht gerade das, was uns im Moment fehlt, was wir vielleicht so schmerzlich vermissen: die persönliche Nähe, das persönliche Gespräch am Tisch, das Treffen und den Austausch mit Freunden, den gemeinsamen Gottesdienst? Der Hirte übernimmt Verantwortung für seine Herde, sorgt sich um jedes einzelne Schaf, ist Tag und Nacht bereit zu wachen und die Schafe zu beschützen. Jesus sagt an anderer Stelle von sich: »Ich bin der gute Hirte.» Für Jemanden oder Viele Verantwortung zu übernehmen, zu sorgen, wohlwollend zu sein, können wir vom «guten Hirten Jesu» lernen. Heute «Hirte, Hirtin sein», kann heissen: für unsere Kinder und alle der Risikogruppe angehörenden Menschen, für Kranke, Einsame, Trauernde… da zu sein, Rücksicht zu nehmen, Unterstützung anzubieten.

Den Ruf hören und dem folgen, der meinen Namen kennt

Mit und über den Namen erhalte ich meine Identität, er gehört zu mir. Er macht mich unverwechselbar und einzigartig. Zu einem Leben in Fülle gehört ein Name, der zu mir passt, auf den ich höre, wenn ich gerufen werde. Im Ruf und dem Hören darauf wird sichtbar, wie gut die Beziehung ist zwischen dem, der ruft und dem, der gerufen wird. Durch die Tür der Taufe sind wir mit Jesus Christus in einer besonderen Weise verbunden, wir sind auf seinen Namen getauft. Er be-ruft uns zum Leben in seiner Nachfolge, in seinem Geist. Gerufen werden, darauf hören, be-rufen sein, ermöglicht ein erfülltes Leben.  Jeder Beruf wird zur Berufung, wenn der Mensch seine Fähigkeiten und Talente zum eigenen und zum Wohl aller einsetzt.  Jesus ruft jeder und jedem von uns zu: „Ich bin gekommen, damit du Leben hast und es in Fülle hast.» Folgen wir seinem Ruf in unserem Leben und durch unser Handeln. Dazu wünsche ich uns allen in der nächsten Woche viel Mut, Geduld und Zuversicht. Gottes Segen begleite und beschütze uns.

Margrit Küng, Gemeindeleiterin Unterägeri und Allenwinden

Hoffnungswort zum 3. Sonntag der Osterzeit

„Bleibe bei uns; … Da ging er mit hinein, um bei ihnen zu bleiben.“ (Lk 24,29)

Im letzten Monat wurde ich von überall her geradezu überschwemmt mit Telefonanrufen, Nachrichten und E-Mails. Diese Pandemie hat Panik, Angst, Verwirrung, Traurigkeit, Verzweiflung und Wut verursacht. Immer mehr habe ich das Gefühl, in einem „Weltuntergangs-Film“ zu leben, aber die Art, die ich instinktiv ausschalten würde, weil sie zu verstörend ist. Und selbst die religiösesten Leute fragen mich: Warum passiert das? Wo ist Gott in all dem?

Die Erzählung der Emmaus-Geschichte an diesem dritten Ostersonntag ist sehr ergreifend. Das Evangelium gibt uns irgendwie Antwort auf diese existenzielle Frage. Die Jünger wollen auch heraus dem erlebten „Weltuntergangs-Szenario“.  Sie waren niedergeschlagen, entmutigt und ängstlich. Das Leben schien düster, bedrückt und unsicher. Dann trafen sie Jesus auf der Strasse, aber sie erkannten ihn nicht. Er ging mit ihnen, erklärte ihnen die heiligen Schriften und öffnete ihre Herzen. Als die Zeit für das Abendessen kam, fühlten sie eine starke Bindung zu diesem „Fremden“. Die Gegenwart Jesu linderte den Schmerz ihrer Herzen und erfüllte sie mit Hoffnung. Die Angst, die sie ergriffen hatte, löste sich und sie waren voller Freude. Dann erkannten sie Jesus beim Brechen des Brotes. Mit Mut und Freude kehrten sie nach Jerusalem zurück und verkündeten, dass der Herr tatsächlich auferstanden ist.

Wo ist Gott in all dem? Wie die Jünger auf dem Weg nach Emmaus geht Gott mit uns in dieser Pandemie. Wir können die Gegenwart Gottes in den Menschen sehen, die unser Herz durch ihren Dienst berühren, in den „Frontlinern“, in Personen, die in dieser Zeit der Krise, ihre Liebe gerade auf die Bedürftigen gerichtet haben. Natürlich ist Gott auch in den Betroffenen des Coronavirus gegenwärtig.

Wenn wir uns diese Woche an die Gegenwart den auferstandenen Christus erinnern, können auch wir ihn bitten, bei uns zu bleiben. Es ist eine gute Zeit, darüber nachzudenken, wo wir jetzt am meisten die Liebe, die Führung und die Ermutigung Jesu brauchen. Gibt es einen Ort, an dem wir versuchen, „alleine zu gehen“? Haben wir Entscheidungen zu treffen, wo die Einladung Jesu uns helfen würde, die Richtung zu finden, nach der wir suchen? Wenn wir Jesus einladen, „bei uns zu bleiben“, erinnert es uns daran, wie nahe der auferstandene Christus uns ist, und es bestätigt unseren tiefen Glauben, dass wir diese Gegenwart in unserem Leben brauchen. Schliessen wir uns dem Ruf der Jünger an; „Bleibe bei uns“ und wir fragen uns, ob und wie es möglich sein kann, dass durch mich auch andere Menschen Jesus Christus erfahren.

P. Julipros, Leitender Priester von Menzingen und Neuheim

 

Hoffnungswort zum Barmherzigkeitssonntag

Gottes Barmherzigkeit fliesst wie ein nie endender Wasserfall inmitten der Wüste.

An vielen Orten würden heute die Erstkommunionen (Weisser Sonntag) gefeiert, was im Moment leider nicht geht. Darüber tritt oft in den Hintergrund, dass die Kirche gleichzeitig den Barmherzigkeitssonntag feiert. Diesem widme ich heute meine Gedanken.

Kennen Sie den Rheinfall in Schaffhausen? Ganz unten gibt es eine kleine Aussichtkanzel, die einen guten Blick auf das tosende Wasser ermöglicht. Die folgende Geschichte handelt an einem Ort wie diesem:

Der Leiter hatte einige Stammesführer der Wüstenbewohner zu einem kräftigen Wasserfall gebracht. Dumpf rauschend fiel er herab. Sie hatten sofort von dem Wasser gekostet. Es war süss. Sie standen stumm und starren auf die Wasserfülle. Wasser, das in der Wüste sein Gewicht in Gold wert ist! Es war ihnen, als wenn die Wasservorräte der ganzen Welt aus einem lecken Speicher auszulaufen drohten.
Schliesslich sagte der Leiter der Gruppe: «Gehen wir weiter!» Sie aber rührten sich nicht von der Stelle und baten nur: «Noch einen Augenblick!»
Weiter sprach keiner ein Wort. Stumm und ernst schauten sie: Hier lief aus dem Bauch des Berges so viel heiliger Lebensstoff, dass er ganze verschmachtende Karawanen zum Leben erwecken könnte. Hier zeigte sich Gott für sie sichtbar. Hier konnte man nicht einfach weitergehen.
Der Führer mahnte wieder: «Weiter ist hier nichts zu sehen. Kommt!»
Sie antworteten: «Nein. Wir müssen warten!»
«Worauf denn?»
«Bis es aufhört!»*

Wir feiern heute den Barmherzigkeitssonntag, wobei das Augenmerk nicht auf unser barmherziges Handeln gelegt wird, sondern auf die Barmherzigkeit Jesu und unseres himmlischen Vaters. Diese Barmherzigkeit fliesst aus dem tiefsten Wesen der Dreieinigkeit uns Menschen zu – Luther würde ein «unverdient» dazwischensetzen. Jesus wendet sich allen Menschen zu, im Besonderen jenen, die sich in schuldhaftes Verhalten verstrickt haben. Ihnen sagt er das Erbarmen und Verzeihen sowie das Ewige Leben zu. «Ich sage dir, heute noch wirst du mit mir im Paradiese sein», verspricht er dem Schächer am Kreuz.

Und diese göttliche Barmherzigkeit fliesst «wie ein nie endender Wasserfall inmitten der Wüste». Können wir, in Anlehnung an die Geschichte, darüber staunen? Ist uns diese Barmherzigkeit kostbar, wie uns nur Lebensnotwendiges kostbar ist? Sehnen wir uns nach dieser Barmherzigkeit in der Wüste unseres Lebens? Haben wir das Bewusstsein darüber, dass wir dieser Barmherzigkeit bedürfen? Und lassen wir uns dadurch von schlechten Verhaltensmustern (er)lösen? Loben wir heute Gott für seine Barmherzigkeit und lassen wir uns von ihm aufrichten und stärken für die Anforderungen in unserem Leben.

*aus: «Geschichten wie kostbare Perlen», Hg. Willi Hoffsümmer, Grünewald, S. 18

Jacqueline Bruggisser, Pfarreiseelsorgerin Oberägeri

 

Hoffnungswort zum Ostersonntag

Mitten in unserem Alltag wird Ostern, geschieht Auferstehung, ruhig und still, zart und zerbrechlich.

Sie alle kennen sicher den Aufkleber «Achtung zerbrechlich» von Paketen, mit denen man besonders sorgfältig umgehen muss, damit wertvolles Glas, Porzellan usw. nicht in Einzelteilen beim Empfänger ankommt. «Achtung zerbrechlich», das gilt auch für das neue Leben, das wir an Ostern feiern. Denn das, was die Frauen damals in der Frühe des neuen Morgens erfahren, ist alles andere als stark und mächtig. Es ist vielmehr zart und zerbrechlich. Denn: An jenem Ostermorgen sind die Frauen sicher nicht kraftvoll und mit festem Schritt unterwegs, sondern viel eher tastend, verunsichert und suchend. Ihr Weg ist kaum erkennbar, die Dunkelheit noch zu gross, nicht nur weil es vor Sonnenaufgang war. Das äussere Bild deckt sich mit ihrem inneren Empfinden.

Vielleicht war es eine ähnliche Stimmung, die wir in diesen Tagen erleben, verunsichert durch das Corona Virus, suchend nach Lösungen, Normalität, Alltag… Die Frauen damals standen nach dem gewaltsamen Tod von Jesus vor den Scherben ihrer Hoffnungen. Sie sahen auch für sich selbst kaum einen Weg, denn ihre Träume wurden mit Jesu Tod begraben. Und doch machen sie sich auf, Schritt für Schritt. Vielleicht war es mehr ein Funktionieren eine Art Reflex, auf diese Weise doch noch etwas für diesen geliebten Menschen tun zu können. Es war ein schwerer Weg und doch war es einer, den unzählige Menschen gehen müssen.

Am Ziel ihres Weges angekommen, werden sie nochmals erschüttert und verunsichert: Das verschlossene Felsengrab ist offen und leer. Wir können wohl gut nachvollziehen, dass die Frauen dies weder verstehen noch einordnen können. Trotzdem beginnt in diesem Moment das, was sie später als Auferstehungserfahrung beschreiben.

So wie es uns erzählt wird, ist dieses neue Leben nicht etwas, was sich mit Pauken und Trompeten ankündigt, sondern es beginnt ruhig und still, wie eine Blüte, eine Osterglocke, sich langsam öffnet. Zerbrechlich sind die Gedanken und erst mit der Zeit beginnen die Frauen zu begreifen, was dort geschehen ist: Es braucht eben Zeit, bis aus der Erschütterung und dem Entsetzten, Freude wird. Es braucht einen Weg, bis wir die Trauer hinter uns lassen können, bis der neue Morgen seine Kraft entfaltet.

Anstatt nach einer Enttäuschung alles hinzuwerfen und wegzulaufen, ist Ostern die Ermutigung trotz aller schwierigen Momente, einen neuen Schritt zu wagen, und wenn er auch zaghaft und unsicher ist. Ostern ist die Ermutigung das Neue zu entdecken, auch wenn es noch nicht so klar zu erkennen ist. Ostern ist die Ermutigung zu erfahren, der Weg geht weiter; der Weg, der zum Leben führt. Ostern ist die Ermutigung zu glauben, zu trauen und zu lernen unsere Augen und Herzen für die Wunder in unserem Alltag zu öffnen.

Denn mitten in unserem Alltag, hier und heute, wächst neues Leben: Enkel, die ihren Grosseltern telefonieren, einen Brief schreiben; Nachbarn, die füreinander einkaufen gehen, Frauen und Männer, die in Spitälern, Einkaufsläden, Politik…. für uns da sind; Jugendliche, die auf Treffen mit Kolleginnen und Sportsfreunden verzichten, um die Risikogruppen nicht zu gefährden … Mitten in unserem Alltag wird Ostern, geschieht Auferstehung, ruhig und still, zart und zerbrechlich.

Ich wünsche Ihnen, viel Kraft, Gesundheit und ein gesegnetes Osterfest!

Margrit Küng, Gemeindeleiterin von Unterägeri und Allenwinden

 

Hoffnungswort zur Osternacht

Ostern – ein Fest der Hoffnung?

Für Menschen in einer dunklen Phase ihres Lebens möchte die Osterbotschaft Hoffnung machen. Gottes Licht kann plötzlich wieder erfahrbar werden. Es gibt ein Wiedersehen mit dem Licht der Lebensfreude. Der christliche Glaube ist dabei alles andere als weltfremd. Es ist von zentraler Bedeutung, dass die dunklen Erfahrungen im Bekenntnis zu Jesus enthalten sind. Sie müssen nicht geleugnet werden.

Am Karfreitag hat Jesus selbst erlitten, woran wir leiden: Versagen, Sinnlosigkeit, Angst, Schmerzen und schließlich den Tod. Die Jüngerinnen und Jünger erleiden einen tragischen Verlust. Wenn Christen sagen, Jesus sei eins mit Gott, dann bedeutet das auch: Gott schaut nicht ungerührt zu, sondern leidet mit. Karfreitag heißt in diesem Sinne: Gott kennt das Dunkel, das uns bedroht – und Ostern heißt: Gott durchbricht es mit dem Licht des Lebens.

Auch die Jüngerinnen und Jünger erlebten ein Wiedersehen mit dem Licht, das im Herzen brennen will, um das Leben wieder sinnvoll zu machen. Ein Licht der Liebe. Ein Licht der Lebensfreude. Durch diese Erfahrung wussten sie: Jenseits von Dunkelheit und Tod wird uns dieses Licht wieder empfangen. Es kommt von Gott, dem Schöpfer des Lebens.

Die Auferstehung seines Sohnes Jesus Christus ist seine Botschaft an uns: Ihr müsst den Tod nicht fürchten. Deshalb lasst euch nicht niederdrücken von allem, was Tod bringt. Sucht das Leben, das Leben für euch und für diese Welt!

P. Ben, Leitender Priester im Pastoralraum Zug Berg

 

Hoffnungswort zum Karfreitag

Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist

Mein Freund Hugo fand ein Gefühl des Friedens, als er im Krankenhaus die Diagnose erhielt, dass der Krebs sich schon über den ganzen Körper ausgebreitet hatte. Nach einer Zeit der Unsicherheit hatte er nun den Punkt erreicht, an dem es keine andere Wahl gab, als sich den Ergebnissen zu ergeben. Er übergab sein Leben ganz bewusst an Gott und gab ihm vertrauensvoll seinen Geist. Es war sein Moment der Vereinigung mit dem Christus von Golgatha, denn auch Jesus hatte seine Zeit der völligen Hingabe. Er wusste, wie es war ganz loszulassen.

Es war um die sechste Stunde, als Jesus mit lauter Stimme rief: „Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist. Mit diesen Worten hauchte er den Geist aus“. (Lukas 23:46) Diese Worte, die aus den Tiefen des Herzens Jesu gesprochen sind, gehen zum Herzen des Lebens selbst. Sie sagen alles. Es ist ein Gebet der völligen Hingabe an den Vater, ein Gebet der völligen Verlassenheit und zugleich des unerschütterlichen Vertrauens. Uns in völliger Verlassenheit Gott, dem Vater zu empfehlen, ist eine Herausforderung für unser alltägliches Leben. Allzu leicht verlieren wir das Vertrauen und die Hoffnung auf Gott, wenn unser eigenes Leben durchkreuzt wird und wir leiden müssen. Wir lassen wir zu, dass Schmerz und Trauer unsere Augen von Gott abwenden und stattdessen kreisen wir um uns selbst.

Nicht nur im Moment unseres Todes sind wir aufgefordert, Gott unser Leben anzuvertrauen. Tag für Tag müssen wir unsere Ängste, Sorgen, Zweifel und Entmutigungen in die Hände des Heiligen geben, mit der vollen Hoffnung, dass Gott uns niemals im Stich lassen wird, auch wenn wir uns manchmal verlassen fühlen.

Heute reflektieren wir über diese Worte unseres Herrn. „Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist.“ Beten wir mit Jesus diese Worte. Sie regen uns an zu fragen: Was bereitet mir am meisten Angst, Furcht, seelische Qual und Sorgen? Kann ich dies als meine Golgatha-Verbindung erkennen? Als Aufruf zur Hingabe diesen Teil meines Lebens Gott anzuvertrauen?

P. Julipros, Leitender Priester von Menzingen und Neuheim

 

Hoffnungswort zum Hohen Donnerstag

Hass mit Liebe, Leiden mit Solidarität und Angst mit Gottvertrauen bekämpfen.

Wenige Stunden vor seiner Verhaftung hat Jesus mit seinen Freunden das Mahl zum Paschafest gehalten. Wie alle Juden feierte er damit die Befreiung seiner Vorfahren aus der ägyptischen Gefangenschaft. Der Ablauf des rituellen Festmahles war vorgegeben. Es war klar, welche Worte gesprochen und welche Speisen gegessen wurden. Es war festgelegt, nach welchem Gebet ein Schluck oder ein ganzer Becher Wein getrunken wurde.

Am Anfang hielt sich Jesus an das Ritual. Aber irgendwann verliess er den gewohnten Ablauf. Das ungesäuerte Brot war für ihn nicht mehr nur ein Symbol für den eiligen Aufbruch der Israeliten in die Freiheit. Der Wein war nicht mehr nur ein Symbol für die Freude über die gelungene Flucht. Vielmehr verglich Jesus seinen Leib und sein Blut mit den Gaben von Brot und Wein. Denn er wollte den Menschen (Seelen-) Nahrung und Freude sein. Und er wollte seinen Jüngern zeigen, dass die Kraft des Glaubens eine Freiheit schenkt, die jede irdische Macht übersteigt. Dafür war er breit zu sterben.

Einige im Abendmahlsaal glaubten, Jesus spreche von der Befreiung aus der römischen Umklammerung. Doch Jesus wollte nicht mit Waffen und Gewalt für die Freiheit einstehen. Er wollte Hass mit Liebe bekämpfen, Leiden mit Solidarität und Angst mit Gottvertrauen. Nächstenliebe, Solidarität und Gottvertrauen. Als Christinnen und Christen sind wir eingeladen, an diesen Werten festzuhalten. Dass dies nicht immer einfach ist, hat auch Jesus gewusst. Deshalb wies er seine Freundinnen und Freunde an, nach seinem Tod und seiner Auferstehung weiter zusammen zu kommen, miteinander zu beten und Mahl zu halten.

In diesen Wochen ist dies – wenn überhaupt – nur im kleinen Kreis möglich. Gottesdienste und Andachten in Kirchen sind untersagt. Immerhin aber ist da und dort eine neue Offenheit zu spüren. Menschen grüssen sich wieder häufiger auf der Strasse. Sie fragen, wie es dem anderen geht. Sie kaufen füreinander ein. Und sie schenken sich Zeichen der Freundschaft.

Am Hohen Donnerstag denken wir Christinnen und Christen an das Letzte Abendmahl. Wir erinnern uns an die Nächstenliebe und Solidarität Jesu. Wir bewundern das Gottvertrauen, aus welchem er gelebt hat. Und wir bitten Gott, er möge unser Gottvertrauen stärken, damit wir Nächstenliebe und Solidarität immer besser leben können. In den kommenden Wochen und an jedem unserer Tage auf dieser Welt.

Christof Arnold, Gemeindeleiter der Pfarreien Menzingen und Neuheim

 

Hoffnungswort zum Mittwoch der Karwoche

Das Warten aushalten.

Das Warten aushalten. Die Fragen ertragen, die uns durch den Kopf gehen: «Kommt es gut? War meine Entscheidung richtig? Wird es zum Besseren führen?» Und dabei die leise, und manchmal stärkere Angst fühlen, welche auf der Seele lastet: «Und wenn es schlimmer wird?»So, stelle ich mir vor, erging es Judas. Was aber hat ihn bewogen, zu den Pharisäern zu gehen und ihnen Jesus auszuliefern? (Nachzulesen bei Matthäus 26.14-25. 47-50 und 27.3-10.)

Als Kind und Jugendliche hatte ich für Judas nur Verachtung übrig und den hochmütigen Gedanken: «So bin ich nicht. Ich würde Jesus nie verraten.» Später – sozusagen mit dem Alter – kamen schmerzhafte Erfahrungen dazu. Es ist möglich, aus guten Gründen das Falsche zu tun.  Irgendwo habe ich die Vermutung gehört, dass Judas ebenso einen für ihn guten Grund für sein Handeln hatte. Er wollte Jesus zwingen, seine Überlegenheit gegenüber den Mächten von Rom und den jüdischen Hohen Priestern endlich zu zeigen. Vermutlich rechnete er damit, dass Jesus sich «vor» dem Tod retten werde. In seinen Augen hätte eine solche Tat Jesus als den erwarteten Messias bestätigt. Doch dann kam alles ganz anders: Jesus stirbt am Kreuz – die Auferstehung erlebt Judas nicht mehr.

Erst viel später beschäftigte ich mich auch mit dem Handeln Jesu in dieser Geschichte. Laut den Evangelien weiss Jesus um den Verrat, genauso wie er um seinen Weg weiss, der am Kreuz und mit dem Tod enden wird. Er verurteilt das Handeln von Judas, jedoch nicht den Menschen Judas. Beim Verrat nennt er ihn immer noch «Freund».

Im Roman «Das Pilatus-Evangelium» lässt Eric Emanuel Schmitt Jesus und Judas im Vorfeld des Verrats miteinander sprechen. Dabei wünscht Jesus diesen Verrat von seinem Freund. Gemeinsam beraten sie die Konsequenzen, den Tod Jesu und eventuell seine Auferstehung. Das scheint jedoch so unsicher, dass für Judas eines klar wird: Mit dem Tod Jesu wird auch sein Leben keinen Sinn mehr haben.

Wir wissen inzwischen mehr: Jesus ist nicht im Grab geblieben, sondern wird am 3. Tag von der Kraft Gottes ins Leben geholt – in die Auferstehung. Gott vermag auf unseren krummen Lebenslinien gerade zu schreiben. Jesus sagt zu Ihnen, zu mir «Freund/Freundin», sein JA hat bestand.

Jacqueline Bruggisser, Pfarreiseelsorgerin Oberägeri

 

Hoffnungswort zum Dienstag der Karwoche

Gott hat ein Herz für uns Menschen

Gott hat ein Herz für uns Menschen: für unsere Sorgen und Nöte, aber auch für unsere Fehler und unsere Schuld. Ebenso sollen wir ein Herz für unsere Mitmenschen haben. Wir wissen aus unserer persönlichen Erfahrung, dass dies nicht immer einfach ist. Darum ist es gut, dass wir unser Herz öffnen und es etwas näher ansehen.

Gottes Barmherzigkeit ist nicht nur Geschenk an uns, sondern zugleich Auftrag und Anspruch an uns. Wir werden aufgefordert zu einer Liebe, die allen Menschen gilt, nicht nur unseren Freunden, zu einer Liebe, die nicht berechnend ist und die ihren Grund letztendlich in der Liebe und Barmherzigkeit Gottes zu uns Menschen hat.

Gottes Liebe kann ich nur weiterschenken, wenn ich selbst offen bin dafür.

Nehme ich mir genügend Zeit, um eine lebendige Beziehung zu Gott zu pflegen? Bin ich bereit, mit meinem Leben – auch den dunklen Facetten – vor Gott hinzutreten und ihn um seine Vergebung zu bitten? Gott ist barmherzig, er hat ein Herz für uns; aber habe auch ich ein Herz für meine Mitmenschen? Achte ich darauf, wie es den Menschen um mich herum geht, ob sie Zuwendung oder tatkräftige Unterstützung brauchen? Sehe ich eine Bitte um Hilfe als Chance, Gottes Liebe unter den Menschen sichtbar zu machen? Gott ist wie ein barmherziger Vater oder eine barmherzige Mutter, die auf die Umkehr ihrer verlorenen Söhne und Töchter warten. Gerade in der Zeit vor Ostern sind wir eingeladen, unser Leben zu reflektieren und entsprechend auszurichten.

Othmar Kähli, mitarbeitender Priester in Allenwinden und Unterägeri

Hoffnungswort zum Montag der Karwoche

«Die Hosanna-Rufe sind verhallt»

Heute sind die Hosanna-Rufe verhallt. Verstummt ist die freudige Begrüssung von Jesus als König, im Staub zertreten die Palmzweige und stiller geworden die Hoffnung, dass durch ihn jetzt alles anders, besser, gerechter wird.

Die Tage der Karwoche nehmen uns mit auf den Weg, den Jesus und seine Vertrauten gingen, bis hin zum Hügel von Golgotha. Noch sind wir nicht so weit. Bis Karfreitag bleibt uns eine Weile Zeit. Zeit, um über die letzten prägenden Begegnungen im Leben von Jesus nachzudenken.

Da ist zum Beispiel jene Begegnung mit Maria, die nicht dürfte und doch tut sie’s. Sie nimmt ihr behutsam gehütetes Fläschchen hervor, beugt sich vor Jesus nieder und salbt mit dem kostbaren Öl seine Füsse. Anwesende reagieren unterschiedlich. Die einen kritisierten Marias Geste als freche, ungehörige Tat der Verschwendung. Jesus aber nimmt sie an. «Lasst sie!» sagt er. Gewiss, das Fläschchen voller Salböl hätte eine Menge Geld eingebracht, das man den Armen hätte geben können. Immer hätten auch andere Anspruch auf Unterstützung. Maria kalkuliert in diesem Moment nicht. Sie spürt, dass jetzt Jesus dran ist und dass sie die Gelegenheit ergreifen muss, bevor es zu spät ist. Maria glaubt an ihn und sie liebt ihn.

Gott sei Dank gibt es auch heute so viele Menschen, die nicht kalkulieren und nicht fragen, was andere dazu sagen. Zum Glück gibt es Menschen, die aus Liebe ihr Kostbarstes geben für jene, die es im Moment am meisten brauchen: Beherzte Hilfe, Schutz, Versorgung, Pflege, Aufmerksamkeit…
all dies als Taten der Liebe!

Eva Maria Müller, Pfarreiseelsorgerin Neuheim und Menzingen

 

Hoffnungswort zum Palmsonntag

«Hosianna und kreuzige ihn»

Mit dem Palmsonntag verbinde ich viele Kindheitserinnerungen. Bei uns war es Brauch, in der Woche vor dem Palmsonntag möglichst grosse Palmbäume zu erstellen. Wegen der stacheligen Palmblätter taten uns die Finger weh. Der Palmsonntagsgottesdienst selber war zweiteilig – auch stimmungsmässig. Vor der Klosterkirche wurde das Evangelium vom triumphalen Einzug Jesu nach Jerusalem gelesen und die Palmen gesegnet. Danach gab es eine Prozession durch das Dorf, die von der Musikgesellschaft angeführt wurde und in der Pfarrkirche endete. Dort war es auch mit der fröhlichen Stimmung vorbei. Es wurde die Leidensgeschichte Jesu gelesen, so wie sie uns in den Evangelien überliefert ist. Da war nichts mehr von «Hosianna!», vielmehr hiess es: «kreuzige ihn.» Es ging um Ablehnung und Unverständnis, es ging um das Leiden Jesu und es ging um das Leiden der Menschen von heute.

Diese stimmungsmässige Zweiteilung der Palmsonntagsliturgie nimmt etwas von dem auf, was wir im eigenen Leben erleben: Wie nahe sind Jubel und Ablehnung, Freude und Trauer, Gesundheit und Krankheit, Leiden und Tod – gerade in diesen Tagen des Jahres 2020.

Davon erzählen auch die Stacheln der Palmblätter. Sie erinnern mich an das Schwere, Ungute – eben an das Stachelige. Doch, und das dürfen wir nie übersehen: Die Blätter der Stechpalmen sind und bleiben grün. Die Fläche des grünen Blattes ist viel grösser als die der einzelnen Stacheln zusammen. Das Grün dominiert. Grün, die Farbe des Wachsens, was uns gerade jetzt die Natur zeigt. Grün, die Farbe der Erneuerung. Grün, die Farbe der Hoffnung. Als Christinnen und Christen sind wir immer auch hoffende Menschen. Es ist die christliche Hoffnung, die uns trägt, die uns im Leben trägt. Ich hoffe und glaube, dass das Leben sich letztlich durchsetzt. Das Leben im Hier und Jetzt und über unser irdisches Sein hinaus.

Urs Stierli, Diakon, Pastoralraumleiter Oberägeri

Hoffnungswort zum 5. Fastensonntag

«Ich bin die Auferstehung und das Leben.» Mit diesen Worten tröstet Jesus die um ihren verstorbenen Bruder trauernde Marta, geschrieben im heutigen Evangelium (Johannes 11.1-45). Er fährt danach gleich fort: «Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben.»

In seinen geistlichen Exerzitien wünscht Ignatius von Loyola, dass die Texte der Bibel nicht nur mit den Augen und dem Kopf gelesen werden. Er schlägt vor, den Text zu verkosten, ihn auf der Zunge zergehen zu lassen, wie ein Stück Schokolade. Denn, so argumentiert er: «Nicht das Vielwissen sättigt die Seele und gibt ihr Befriedigung, sondern das innere Schauen und Verkosten der Dinge.» Also noch einmal ganz langsam:

«Wer an mich glaubt, wird leben,
auch wenn er stirbt,
und jeder, der lebt und an mich glaubt,
wird auf ewig nicht sterben.»

Verblüffend, dass Jesus Marta gleich anschliessend – und heute auch uns – nach ihrer Einstellung fragt: «Glaubst du das?» Können wir wie Marta antworten, «Ja, Herr, ich glaube, dass du der Christus bist, die Auferstehung und das Leben …»? Im Gespräch stellt sich heraus: Marta meint das zukünftige Leben, jenes Leben nach dem Tod. Da stellt sich mir die Frage: «Hat Jesus keine Antworten fürs Hier und Heute?»

Zum Glück geht die Geschichte weiter. Jesus lässt sich von Marta und Maria zum Grab des Lazarus führen. Dort weint er um seinen Freund. In der gemeinsamen Trauer verbunden, steht er so den Schwestern bei. Dann aber ruft er Lazarus aus dem Grab. Dies ist ihm möglich durch seine tiefe Verbundenheit mit seinem Vater. Damit das die Umstehenden verstehen, drückt er es laut aus: «Vater, ich danke dir, dass du mich erhört hast … Wegen der Menge, … habe ich es gesagt, damit sie glauben, dass du mich gesandt hast.» Ganz direkt ruft er danach: «Lazarus komm heraus!»

Jesus ruft Lazarus zurück in dieses Leben. Er ruft auch mir und Ihnen, liebe Leserin/lieber Leser, zu: «Komm heraus aus deiner Dunkelheit, deinem Erstarrt-Sein. Komm ans Licht, in die Weite und Fülle des Lebens.» Wenn wir dann eventuell etwas zögerlich neue Schritte wagen und noch gefangen sind von alten Dingen, Verletzungen und Gewohnheiten, dann dürfen wir auf Geschwister hoffen, die den Befehl Jesus gehört haben: «Löst ihm, dem Lazarus, die Binden und lasst ihn weggehen». Jesus wünscht sich für uns das volle Leben im Hier und Jetzt. Als Christen, die an Ihn glauben, sind wir aufgerufen, dabei kräftig mitzuhelfen – wie es viele Menschen in der momentanen Krisensituation auch tun. Ich glaube, dass Jesus uns dabei zur Seite steht, wie er es bei Marta und Maria tat.

Jacqueline Bruggisser, Pfarreiseelsorgerin, Oberägeri

Hoffnungswort zum 4. Fastensonntag

Die Kirche verkündet an diesem Tag: «Laetare!» – «Freue dich!» Dieser Ausruf wurzelt im lateinischen Eröffnungsvers der Messe: «Freue dich, Stadt Jerusalem! Seid fröhlich zusammen mit ihr, alle, die ihr traurig wart. Freut euch und trinkt euch satt an der Quelle göttlicher Tröstung.» (Vers aus dem Buch des Propheten Jesaja)

Mit dem heutigen Tag ist die Mitte der Fastenzeit bereits überschritten. Das Osterfest – Fest der Auferstehung – rückt näher. Diese Vorfreude wird ausgedrückt durch die liturgische Farbe Rosa. Das österliche Weiß strahlt durchs Violett der Fastenzeit hindurch. Nur zweimal im Kirchenjahr haben wir die liturgische Farbe Rosa: am dritten Adventssonntag (gaudete) und am vierten Fastensonntag (laetare).

«Freue dich!»… klingt im aktuellen Ausnahmezustand geradezu sarkastisch. Wie, bitteschön, soll man sich freuen können in einer derart bedrohlichen Zeit? Mit einem fürs menschliche Auge unsichtbaren Virus haben sich existentielle Ängste, Probleme und Unannehmlichkeiten weltweit unübersehbar verbreitet.

Doch – brauchen wir nicht in diesen Tagen erst recht Grund zum Freuen? Meine Beobachtung ist es, dass sich Positives mindestens ebenso schnell verbreitet, wie das Virus selber. Ich denke da etwa an die Besinnung auf das, was wirklich zählt im Leben und an die freigewordene Zeit für Dinge, die sonst immer zu kurz kommen. Ich freue mich über die vielen kreativen Ideen von generationenübergreifender Solidarität und Hilfsbereitschaft und über Menschen, die auf Balkonen miteinander singen, musizieren und applaudieren für Mitarbeitende in den Spitälern. Mich beeindrucken Meldungen, dass sich durch die eingeschränkte Mobilität Luft und Wasser bereits beginnen zu erholen.

«Laetare!» soll uns heute ermutigen, festzuhalten an Freude und Hoffnung, die unser Glaube vermittelt. Bleiben wir hoffnungsvoll und unterstützen wir einander, so gut es geht. Bleiben wir innerlich miteinander verbunden, auch in Zeiten räumlicher Distanz.
Das Pastoralraumteam lädt uns dazu ein, jeden Tag um 20.00 Uhr innezuhalten und zu beten. Dies schafft Gemeinschaft mit allen anderen Pfarreiangehörigen, die zu dieser Zeit ebenfalls beten. Und vielleicht sehen wir abends im einen und anderen Fenster eine Kerze brennen als Zeichen, dass wir aneinander denken und füreinander beten.

Mit der folgenden Kurzgeschichte wünsche ich allen, die diese Zeilen lesen, Gottes Segen, gute Gesundheit und das Bestmögliche in dieser aussergewöhlichen Zeit.

Eva Maria Müller, Pfarreiseelsorgerin i.A., Neuheim und Menzingen

Wie wird das Wetter heute?
Ein Wanderer: «Wie wird das Wetter heute?»
Der Schäfer: «So, wie ich es gerne habe.»
«Woher wisst Ihr, dass das Wetter so sein wird, wie Ihr es liebt?»
«Ich habe die Erfahrung gemacht, mein Freund, dass ich nicht immer das bekommen kann, das ich gern möchte. Also habe ich gelernt, immer das zu mögen, was ich bekomme. Deshalb bin ich ganz sicher: das Wetter wird heute so sein, wie ich es mag.»
Antony de Mello