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19.03.2020, 14.58

Hoffnunswort von Jacqueline Bruggisser, (5. Fastensonntag)

«Ich bin die Auferstehung und das Leben». Mit diesen Worten tröstet Jesus die um ihren verstorbenen Bruder trauernde Marta, geschrieben im heutigen Evangelium (Johannes 11.1-45). Er fährt danach gleich fort: «Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben».

In seinen geistlichen Exerzitien wünscht Ignatius von Loyola, dass die Texte der Bibel nicht nur mit den Augen und dem Kopf gelesen werden. Er schlägt vor, den Text zu verkosten, ihn auf der Zunge zergehen zu lassen, wie ein Stück Schokolade. Denn, so argumentiert er: «Nicht das Vielwissen sättigt die Seele und gibt ihr Befriedigung, sondern das innere Schauen und Verkosten der Dinge.» Also noch einmal ganz langsam:
«Wer  an  mich  glaubt,  wird  leben,
auch  wenn  er  stirbt,
und  jeder,  der  lebt  und  an  mich  glaubt,
wird  auf  ewig  nicht  sterben. »

Verblüffend, dass Jesus Marta gleich anschliessend – und heute auch uns – nach ihrer Einstellung fragt: «Glaubst du das»? Können wir wie Marta antworten, «Ja, Herr, ich glaube, dass du der Christus bist, die Auferstehung und das Leben …»? Im Gespräch stellt sich heraus: Marta meint das zukünftige Leben, jenes Leben nach dem Tod. Da stellt sich mir die Frage: «Hat Jesus keine Antworten fürs Hier und Heute»?

Zum Glück geht die Geschichte weiter. Jesus lässt sich von Marta und Maria zum Grab des Lazarus führen. Dort weint er um seinen Freund. In der gemeinsamen Trauer verbunden, steht er so den Schwestern bei. Dann aber ruft er Lazarus aus dem Grab. Dies ist ihm möglich durch seine tiefe Verbundenheit mit seinem Vater. Damit das die Umstehenden verstehen, drückt er es laut aus: «Vater, ich danke dir, dass du mich erhört hast … Wegen der Menge, … habe ich es gesagt, damit sie glauben, dass du mich gesandt hast». Ganz direkt ruft er danach: «Lazarus komm heraus»!

Jesus ruft Lazarus zurück in dieses Leben. Er ruft auch mir und Ihnen, liebe Leserin/lieber Leser, zu: «Komm heraus aus deiner Dunkelheit, deinem Erstarrt-Sein. Komm ans Licht, in die Weite und Fülle des Lebens». Wenn wir dann eventuell etwas zögerlich neue Schritte wagen und noch gefangen sind von alten Dingen, Verletzungen und Gewohnheiten, dann dürfen wir auf Geschwister hoffen, die den Befehl Jesus gehört haben: «Löst ihm, dem Lazarus, die Binden und lasst ihn weggehen». Jesus wünscht sich für uns das volle Leben im Hier und Jetzt. Als Christen, die an Ihn glauben, sind wir aufgerufen, dabei kräftig mitzuhelfen – wie es viele Menschen in der momentanen Krisensituation auch tun. Ich glaube, dass Jesus uns dabei zur Seite steht, wie er es bei Marta und Maria tat.

Jacqueline Bruggisser, Pfarreiseelsorgerin Oberägeri